Quereinstieg ins Lehramt : Wo fängt man an – und welche Ausbildung passt wirklich?

Quereinstieg ins Lehramt : Wo fängt man an – und welche Ausbildung passt wirklich?

Du arbeitest seit Jahren in einem Beruf, der dich nicht mehr erfüllt. Und irgendwann kommt dieser Moment – vielleicht beim Erklären von etwas an einen Kollegen, vielleicht beim Helfen deines Kindes bei den Hausaufgaben – wo du denkst: <em>Eigentlich könnte ich das. Eigentlich würde mich das begeistern.</em> Der Gedanke, Lehrer zu werden. Aber wie fängt man das an? Was braucht man wirklich? Und ist das überhaupt realistisch?

Bildungswege in Europa: ein Blick über den Tellerrand

Kurze Antwort: ja. Langer Weg? Kommt drauf an. Es gibt in Deutschland und im deutschsprachigen Raum mittlerweile echte Möglichkeiten für Quereinsteiger – auch wenn das System manchmal unübersichtlich wirkt. Wer sich zum Beispiel für konfessionelle Schulen interessiert, findet auf Seiten wie https://enseignement-catholique-flandres-littoral.fr; interessante Einblicke in die Strukturen privater katholischer Bildungseinrichtungen, die zeigen, wie unterschiedlich Bildungswege in Europa organisiert sein können.

Quereinsteiger ins Lehramt – was bedeutet das überhaupt ?

Ein Quereinsteiger ist jemand, der kein klassisches Lehramtsstudium absolviert hat, aber trotzdem unterrichten möchte – und das darf. In Deutschland ist das seit einigen Jahren möglich, vor allem wegen des akuten Lehrermangels. Besonders an Berufsschulen, Grundschulen und Förderschulen werden händeringend Leute gesucht.
Das heißt konkret : Man tritt mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium direkt in den Schuldienst ein – oft parallel zur berufsbegleitenden pädagogischen Ausbildung. Klingt gut. Ist es auch. Aber man muss sich bewusst sein : Es ist kein Spaziergang.

Welche Voraussetzungen braucht man ?

Das variiert je nach Bundesland – und das ist ehrlich gesagt etwas frustrierend. Kein einheitliches System, jedes Bundesland macht sein eigenes Ding. Aber ein paar Grundvoraussetzungen gelten fast überall :
Ein abgeschlossenes Hochschulstudium – mindestens Bachelor, besser Master oder Diplom.
Fachliche Nähe zum Unterrichtsfach – wer Informatiker ist, kann Informatik unterrichten. Wer Sozialarbeiter ist, hat andere Optionen.
Keine einschlägigen Vorstrafen – das versteht sich von selbst.
Gesundheitliche Eignung – ein amtsärztliches Attest ist oft Pflicht.
Was viele nicht wissen : In manchen Bundesländern reicht sogar ein FH-Abschluss. Und für berufsbildende Schulen gelten oft noch flexiblere Regeln.

Die drei wichtigsten Wege in die Klasse

1. Direkter Quereinstieg ohne Studium des Lehramts
Man bewirbt sich direkt beim Schulamt oder der Landesbehörde. Bei Einstellung läuft parallel ein berufsbegleitendes pädagogisches Begleitprogramm – manchmal Referendariat light, manchmal nur Seminare. Der Vorteil : Man steht sofort vor der Klasse und verdient Geld. Der Nachteil : Man ist ins kalte Wasser geschmissen, und das merkt man.
2. Seiteneinstieg mit anschließendem Referendariat
Hier macht man nach dem Quereinstieg doch noch das vollständige Referendariat – also 18 bis 24 Monate pädagogische Ausbildung. Das dauert länger, führt aber zu einer vollwertigen Lehramtsbefähigung. Wer langfristig plant, ist damit besser aufgestellt.
3. Studium des Lehramts als Erwachsener
Klar, das dauert am längsten. Aber manche wählen diesen Weg bewusst – besonders wenn sie in einer Schulform oder einem Fach unterrichten wollen, das keine Quereinsteiger nimmt. Viele Universitäten bieten Teilzeitstudiengänge an, also ist das auch mit Job und Familie machbar. Vielleicht langsamer, aber solider.

Welche Ausbildungen und Programme gibt es konkret ?

Hier ein Überblick über das, was wirklich existiert und genutzt wird :
Seiteneinsteigerprogramme der Bundesländer – fast alle 16 Bundesländer haben eigene Programme. Sachsen, Brandenburg und Berlin sind besonders aktiv dabei, weil der Mangel dort besonders groß ist.
Berufsbegleitende Master-Studiengänge – einige Hochschulen bieten den „Master of Education“ für Quereinsteiger an. Fernuni Hagen zum Beispiel, oder verschiedene Pädagogische Hochschulen.
Zertifikatsprogramme – für bestimmte Bereiche wie Deutsch als Zweitsprache (DaZ), Inklusion oder digitale Medien gibt es kürzere, zertifizierte Weiterbildungen, die man begleitend machen kann.
Private Bildungseinrichtungen – Schulen in freier Trägerschaft, kirchliche Schulen, internationale Schulen rekrutieren oft mit etwas mehr Flexibilität als staatliche Einrichtungen. Das lohnt sich zu recherchieren.

Welches Bundesland ist am offensten für Quereinsteiger ?

Frankreich zu vergleichen ist zu weit – aber innerhalb Deutschlands gibt es klare Unterschiede.
Berlin ist bekannt dafür, sehr offen für Quereinsteiger zu sein. Sogar ohne Hochschulabschluss sind in bestimmten Fällen Ausnahmen möglich.
Sachsen hat eines der am besten strukturierten Seiteneinsteigerprogramme – mit begleitender Ausbildung und klaren Karriereperspektiven.
Bayern ist strenger. Dort kommt man ohne klassisches Lehramtsstudium kaum in staatliche Schulen. Private und kirchliche Schulen sind aber eine echte Alternative.
NRW liegt irgendwo in der Mitte – es geht, aber die Anforderungen variieren stark nach Schulform.

Was verdient man als Quereinsteiger ?

Das ist eine berechtigte Frage. Ehrliche Antwort : weniger als ein verbeamteter Lehrer – zumindest am Anfang.
Als angestellter Quereinsteiger liegt man meistens in den Entgeltgruppen TV-L E11 bis E13, je nach Abschluss und Bundesland. Das entspricht einem Bruttoeinkommen von ungefähr 3.200 bis 4.200 Euro im Monat zu Beginn. Wer am Ende verbeamtet wird, verdient langfristig mehr und profitiert von der Pensionsabsicherung.
Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass man vielleicht gerade aus einem Job kommt, der einen unglücklich gemacht hat.

Was muss man sich ehrlich fragen, bevor man anfängt ?

Mag ich wirklich Menschen – oder nur die Idee davon ? Denn Unterrichten ist körperlich und emotional anstrengend. Dreißig Jugendliche, die keine Lust haben – das zieht.
Kann ich mit Unsicherheit umgehen ? Quereinsteiger haben oft keine fertigen Routinen. Man improvisiert viel am Anfang.
Bin ich bereit, dazuzulernen – auch wenn ich eigentlich der Experte bin ? Pädagogik ist ein eigenständiges Handwerk. Fachkenntnis allein reicht nicht.
Wenn du auf alle drei Fragen ehrlich „ja“ antworten kannst : dann mach’s.

Fazit : Quereinsteiger – ein realistischer Weg, kein Notbehelf

Der Quereinstieg ins Lehramt ist kein zweiter Platz. Er ist ein echter Weg, der immer mehr Menschen offensteht – und der dringend gebraucht wird. Das System braucht Leute mit Lebenserfahrung, mit Praxiswissen, mit echtem Bezug zur Welt außerhalb der Schule.
Der erste Schritt : Infos beim Schulamt deines Bundeslandes einholen, Voraussetzungen checken, und dann – einfach anfangen. Wer zu lange wartet, findet immer neue Gründe, es nicht zu tun.

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